Der Körper als letztes Glied einer unsichtbaren Kette
Dion Fortune schreibt nicht, um zu trösten, sondern um den Blick zu lenken. Auf diesen Seiten, die aus dem Dialog mit ihrem Ehemann, dem Arzt Charles Thomas Loveday Penry Evans, entstanden sind und erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurden, ist Krankheit nicht mehr nur ein körperliches Versehen. Sie wird zum Endpunkt von Ungleichgewichten, die anderswo ihren Ursprung haben: in den Emotionen, im Geist, in der Beziehung der Seele zu ihrem eigenen Schicksal.
Der überraschendste Vorzug des Buches ist seine Nüchternheit. Fortune verspricht keine Wunder und lehnt die Schulmedizin nicht ab. Vielmehr schlägt sie ein Bündnis vor, in dem der esoterische Heiler auf den feinstofflichen Ebenen wirkt, während der Arzt die Materie behandelt. Daraus entsteht eine mehrschichtige Landkarte des Menschen, vom ätherischen bis zum spirituellen Körper, gezeichnet mit der Klarheit einer Person, die vor dem Okkultismus Psychologie studiert hatte.
Der Text ist nicht immer leicht zu lesen. Die Sprache verrät die Epoche, und einige Seiten bleiben unvollendet, wie Notizen einer unterbrochenen Arbeit. Doch gerade dieser Charakter einer offenen Baustelle macht ihn wertvoll: Man liest ihn als direktes Erbe eines der strengsten Geister der westlichen Esoterik.
Ein Buch, das man nicht liest, um zu heilen, sondern um zu verstehen, was es wirklich bedeutet, gesund zu sein.